Seit Donald Trump, amerikanscher Präsident und oberster Märchenerzähler der USA, China als handelspolitischen Feind Nummer eins ausgemacht hat und das Reich der Mitte in einer an Lächerlichkeit nicht zu überbietenden Art und Weise mit Zöllen überhäuft und bedroht, scheinen auch hiesige Politiker über ihre grundsätzliche Untätigkeit mit China Bashing verschleiern zu wollen. Investitionen aus der der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt begegnen sie mit immer grösserer Skepsis und einige unter ihnen verfallen selbst unnötigem Aktivismus, den sie besser auf wirklich wichtigen Themen fokussieren würden, statt ein paar Stammtischpunkte abzuholen.

Erst kürzlich wurde ein Vorstoss im Ständerat einstimmig zur Vorprüfung an die zuständige Kommission überwiesen, der zum Ziel hat eine Genehmigungsbehörde für ausländische Direktinvestitionen zu schaffen. China nütze unser liberales Aktienrecht aus, um sich «ohne Schranken in der Schweiz zu bedienen», so gewisse Voten aus der kleinen Kammer. Seit der Saatguthersteller Syngenta vor rund zwei Jahren von ChemChina übernommen wurde, geht bei einigen Parlamentariern in der Eidgenossenschaft die Angst um, dass unsere Volkwirtschaft vollkommen zum Ausverkauf an das fernöstliche Land zur Verfügung steht. Und diese Angst begrenzt sich nicht nur auf jene Politiker, die den Kapitalismus ohnehin abschaffen wollen und die Marktwirtschaft fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Selbst aus bürgerlichen Kreisen, wenn man sie noch so nennen will, denken offen über protektionistische Massnahmen gegenüber Investitionen aus China nach. Dass bereits heute 80 Prozent der 30 grössten Firmen der Schweiz mehrheitlich im ausländischen Besitz sind scheint sie nicht weiter zu stören oder ausserhalb ihrer Wissenssphäre zu liegen.

Gerne scheinen sie auch vergessen, dass Investitionen aus China – und anderen aufstrebenden Ländern – unseren Unternehmen auch enorme Möglichkeiten bieten. Alleine in China und Indien zusammen leben ca. 2.7 Milliarden Menschen – eine Marktgrösse, die die Vorstellungen vieler bei Weitem übersteigt. Schweizer Firmen mit Investitionen aus diesen Ländern fänden einen besseren Marktzugang und würden eine deutlich höhere Rechtsicherheit geniessen, womit sie über einen klaren Vorteil gegenüber ihren Mitbewerbern verfügen. Auch fliesst in solchen Transaktionen Kapital in die Schweiz und stellt weiter lokalen Knowhow sicher.

In einer global vernetzten Wirtschaft ist es vollkommen natürlich, das Unternehmen übernommen werden oder selbst Akquisitionen tätigen. Schweizer Unternehmen stehen hier ihren Konkurrenten aus anderen Ländern in nichts nach. Auch sie tätigen Übernahmen, wenn diese ihrer Strategie entgegenkommen und für sie Wachstum generiert. Man stelle sich nur mal vor, wenn jedes Land Übernahmen verhindern will, nur weil bei gewissen Menschen ein Unbehagen gegenüber ihnen besteht. Die Schweiz hätte keine global tätigen Firmen mehr, auf die wir heute so stolz sind. Wir sollten unsere Türen gegenüber China nicht verschliessen, sondern unsere guten Beziehungen nutzen.  So merkte Bundesrätin Doris Leuthard auch schon an, dass China ein weitaus verlässlicherer Partner sei als so mancher natürlicher Verbündeter. In einer Zeit, in der die einstige Gralshüterin der globalen Wirtschaft diese mit Füssen tritt, muss die Schweiz ihren Handel mit ihren aufstrebenden Partnern intensivieren.

Ramon Eberdorfer

Der heutige Autor, Ramon Eberdorfer, ist der Präsident der Jungfreisinnigen Kanton Schwyz und arbeitet neben seinem Studium an der HSG in einer internationalen Anwaltskanzlei in Zürich. Er lebt in Altendorf